Websiten über Kunst. Schaut man sich ausschließlich in diesem Sektor des www um, könnte man meinen, das Netz ist überhäuft und ausgefüllt mit Kunstseiten, und man verliert im Umhersurfen zwischen all diesen Präsentationen der Ergebnisse der Kunst-Schaff-Versuche womöglich schnell die Vergleichspunkte, denn die Kunst führt in den Interessen der allgemeinen Surfgewohnheiten im Vergleich zu Seiten über Erotik, Computer, Reisen oder anderes deutlich ein Schattendasein. In den Rubriken der großen Kataloge wie yahoo oder web.de ist Kunst über den Bereich Kultur zwar zu finden, aber natürlich sind die Bildgalerien nicht die Attraktionen der ersten Reihe. Die Besucher der zahlreichen Kunstseiten müssen Kunst sehen wollen, wenn sie sich zu den Kunstseiten verirren. Daher sind diese Besucher nach meinen Erfahrungen zu allermeist erst einmal richtig Interessierte, zumeist sogar selbst Kunstschaffende und unter diesen wiederum vor allem diejenigen, die selbst einen Internetauftritt starten wollen oder betreiben.
So scheinen mir allzu oft die Zähler der Kunstseiten in erster Linie die Macher dieser Kunstseiten untereinander zu zählen.
Auch Umfragen wie die von Ulrich Bucher (www.kunstplattform.de) lässt die Vermutung zu, dass viele Kunst-homepage in erster Linie der Kontaktaufnahme wegen initiiert werden. Allerdings bleiben auf der anderen Seite potentielle Käufer oder Interessenten häufiger außen vor als viele Kunstschaffende vor Errichtung ihrer Webpräsenz erhoffen.
Nichtsdestotrotz wächst die Anzahl der Kunstseiten ungemein und einen wirklichen Überblick – selbst nur im deutschsprachigen Raum – ist unmöglich zu geben, da gerade Hobbykünstler und junge Künstler und Künstlerinnen das Internet als Ausstellungsmöglichkeit nutzen – und eben diese Gruppe ist ungleich größer als die der professionelle Künstler. Mit wenigen Kenntnissen oder Freunden ist eine virtuelle Galerie zu Spottpreisen und kurzer Zeit mit oft beeindruckender Wirkung gebaut. Und dies alles ohne Mappe, ohne große Investitionen, ohne künstlerische Ausdauer, ohne erfahrende Anerkennung, bestandene Prüfungen oder Ausstellungserfolge. Somit gehört zumindest quantitativ der Kunstraum des Netzes klar den nicht-professionellen Künstlern.
Erst in den letzten drei Jahren haben die anerkannten Galerien, Berufstkünstler und ihre Vertreter es nachgeholt, ihre Werke im Netz zu zeigen. Auch Rauch, Bach oder Kippenberger, auch alle größeren Museen und alle größeren Ausstellungen haben zwischenzeitlich ihren Internetauftritt.
Es bleibt für mich nun aber verblüffend, wie nahe im Internet Hobby, Leidenschaft, Anfänger, Genies und andere nebeneinander stehen und an sich im Bereich der Kunst alte Kunstmarkt-Gewohnheiten aufweichen könnten. Denn es gibt keine Vernissage-Einladungen, keine Galerien mit prunkvollen schweren Türen, die man nur mit Achtung durchschreiten kann. Außerhalb der Websiten sind die Türen der angesehenen Galerie auf der teuren Großstadtverkaufsmeile und die Wohnungstür der Freizeitmalerin weitaus weiter auseinander.
Weniger verblüffend ist aber, dass jene alte Kunstmarkt-Gewohnheiten durch dieses Nebeneinander eben nicht aufgeweicht werden, was die geringe Bedeutung der Webpräsentation bezüglich des Erfolges auf dem Kunstmarkt hervorhebt.
Immer noch wird diese Bedeutung aber überschätzt. So verwehren zum Beispiel kommerzielle Netz-Galerienseiten (auf Wunsch der bereits aufgenommenen Berufskünstlern) den Künstlern, bei den Kunst nicht der Haupterwerb darstellt, die Aufnahme. Darin ließe sich durchaus eine Sorge jener Berufskünstler erkennen, dass der normale Kunstinteressierte Probleme hat, die Qualitätsunterschiede zu erkennen. Durchaus vermag das angesprochene Nebeneinander sicher auch dem einen oder anderen HobbyKunstSchaffenden die Unterschiede zu professionellen und anspruchsvollen Kunstschaffenden zu verwischen und das eigene Arbeiten zu überschätzen. Genau darauf zielen einige internationale und nationale Galerien, Webdesigner und Verlage, die für mehrere Tausend Euro Künstlerbeteiligungen “ihren Entdeckungen” Ausstellungen bzw. Veröffentlichungen offerieren.
Letztlich fällt die Entscheidung über künstlerischen Erfolg – wird er denn überhaupt an der (kaufenden) Reaktion anderer gemessen – außerhalb des Internets. Das Internet dient als Katalog, als Visitenkarte mit Anlage, allenfalls noch als zusätzliches Indiz für den Gestaltungswillen und das Gestaltungskönnen des Künstlers oder der Künstlerin. Mehr aber nicht. Daher lassen Sie uns diese fantastische Möglichkeiten des Austausches nutzen, aber die Euphorien der Anfangszeit des Internetbooms endlich ablegen. Ich für meinen Teil spüre auch deutlich, wie das Internet und die Gestaltung meiner Homepage mir Zeit an Pinsel und Leinwand nimmt….und verabschiede mich daher für dieses Mal…..