Feb 16 2009

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Thomas Brill

Pikturologisch?

geheimes Glück IIPoetologisch nennt man Gedichte die das Dichten selbst als Thema haben. Gedichte über das Dichten.

Mmmh, wie nenn ich nun Gemälde, die das Malen thematisieren? Poesie ist griechischen Ursprungs – unter den griechischen Wörtern für “Bilder” passt “Piktura” wohl am besten zu den Gemälden, wie ich sie verstehe.*

Pikturologisch?

Spannend für mich ist, dass Piktura (wie die Poetik) auf die Mimesis abzielt. “Der auf Aristoteles u. Plato zurückgehende Begriff der »Mimesis« bedeutet nicht einfach Nachahmung, sondern anschauliche Darstellung, Vergegenwärtigung (des Abwesenden, auch des Fiktiven u. des Unsichtbaren). “*

geheimes GlückDas ist doch genau mein Ding! Beides malen: das Sichtbare und das Abwesende. Die Schönheit und das geheime Glück.

Und wenn ich überhaupt male, dann ist mein Gemälde selbst schon der wahr gewordene Beleg für die gestohlene Zeit. Die Zeit, die dem anderen Leben frech gestohlen wurde… einem Leben der weltlichen Arbeit und des Äußeren.

Das ist schon ein erster kunstvoller Teil meiner Kunst: dass sie zustande kommt. Wenn man es überspitzen will, dann könnte man daher sagen, jedes meiner Bilder thematisiert an sich schon das Malen, da es den Kampf um Malzeiten belegt.

Meine Bilder sind in diesem Sinne zwar pikturologisch – gleich was sie ansonsten zeigen: immer vergegenwärtigen sie die “Zeit-Kunst”, Kunst zu schaffen. Natürlich unterscheiden sich meine Bilder aber darin nicht von Bildern anderer Künstler. So gesehen wären erstmal alle Kunstwerke auch pikturologisch und so gesehen wird diese Einordnung damit banal.

Um überhaupt Gemälde zu identifizieren, die das Malen thematisieren und die ich damit pikturologisch nennen will, kommt man schließlich an zwei Wesenselementen nicht vorbei: dem Bildinhalt und der Gestaltungsart.

a) Bildinhalt: Es gibt eine Unzahl Bilder, die Maler an ihren Leinwänden zeigen, die den Werkprozess festhalten, mit ihm spielen oder ihn karrikieren. Mir fallen spontan Eschers Hände ein, die sich selbst zeichnen (link: M.C. Escher: Zeichnende Hände) oder Vermeers “The Artist in his Studio” (link: Vermeers Künstler). Die Beispiele sind zahlreich: Ihnen fallen sicher weitere ein. Sie zeigen mehr oder weniger konkret das Schaffen der Künstler und die Ergebnisse eben als das Produkt des Schaffensprozess. Das malerische Schaffen wird selbst wiederum zum thematischen Mittelpunkt des konkreten Malproduktes: pikturologische Malerei.

b) Gestaltungsart: hier ist das pikturologische schwerer zu erkennen – viele Maler lassen bewusst den Pinselstrich oder der Malmesser, der Spachteln oder der Finger als solche erkennbar – der Duktus zeugt vom Schaffensprozess. Und soll es auch. Diese Künstler möchten (auch) zeigen, was da passiert. So thematisieren sie (neben ihrem Bildinhalten) auch ihre eigenes Schaffen: pikturologische Malerei.

Manche meiner Bilder haben acuh pikturologisches Wesen in sich: Die Figuren öffnen abstrahierte Vorhänge, halten ein geheimes Glück brillscher Formen in der Hand oder sie hängen in einem Fantasie-Himmel. Fantasie trägt, die Malerei hält

Sie vertrauen darauf, dass sie gehalten werden – von gedankengeschaffenenen Formen.

Vertrauen.

Die Kunst wird halten. Sie entwirft ein tragendes Gegenbild. Sie ist mächtig genug, sich ihr ganz hinzugeben.

Und hier und da zeige ich dieses Verlässlichkeit der Fantasie: pikturologische Malerei.

—-

*vgl. Held, Volker: Sachlexikon Literatur. München: DTV, 2000, S. 109-114, zitiert nach
http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%20der%20Linguistik/b/BILD%20Imagen.htm

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