Jan 11 2010

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Thomas Brill

Mut zum Wenigen

Abgelegt 20:59 unter Mein Malen,warum malen?

Heutzutage prasseln die Eindrücke der Welt auf uns nieder: vielfältig, pluralistisch und in schneller Folge. Eine Auswahl fällt schwer. Dauerhaft einer einzelnen Sache Aufmerksamkeit zu schenken gelingt manchem kaum noch.  Bei Kindern wird dieses Phänomen sogar als Krankheit erkannt (ADS). Bei Erwachsenen fällt es teilweise nicht mal mehr auf. (Vielleicht schaut niemand aufmerksam und lange genug nach ihnen?)

Langsame hingegen fallen auf. Und Menschen, die sich (nur) einer Sache widmen, fallen auf – sie fallen nicht positiv auf, wie man erwarten könnte. Man spottet über sie, sie seien nicht multitasking* fähig, sie seien eindimensional oder ihnen fehle (!) Komplexkapazität. Dabei ist es umgekehrt, sie haben (!) die Monotasking-Kompetenz! Sie sollten sich als Monotasker rühmen.

Doch leider werden Menschen, die es in einem einzelnen Gebiet mit Beharrlichkeit zur Meisterschaft bringen,  nicht mehr folgerichtig geachtet, sondern man wundert sich über die eingleisige Biografie. An sich ist aber das durch Beharrlichkeit Erreichte eine wertzuschätzende Kompetenz*.  Wohingegen Multitasking und Komplexkapazität Fähigkeiten sind, die an sich nur in Nischentätigkeiten wirklich gebraucht werden würde – bei Fluglotsen vielleicht.

Nein.

Die Dinge erlangen eben erst Wert durch eine intensive Beschäftigung, nicht durch Flüchtigkeit oder parallele Bearbeitung. Sie erlangen Wert und Bedeutung durch beharrliche Beschäftigung mit ihnen.

Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig.

(Aus Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry)

Es gibt in der Literatur viele Beispiele, in der die Konzentration auf die eine Sache als die lohnenswerte beschrieben wird.  “Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern” mahnt etwa
Konfuzius zur Beschäftigung mit dem “Kleinen” oder an anderer Stelle:

»Bei allem, was man tut, ist es wichtig, sich mit ganzer Kraft einzusetzen.«

oder

»Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.
(Konfuzius)

Es gibt auch ganze Bücher, die pointenmäßig die Lehre des Einen vertreten, so wie es Heinz Körners ” Johannes” mit einfacher Sprache aufzeigt.
Mein Zwischenfazit heißt also: Multitasking ist erstens gar nicht menschenmöglich und zweitens nicht attraktiv. Wenn Dir etwas wichtig ist, dann gib ihm auch die Gewissheit, dass es das einzige ist, was zur Zeit Deine Aufmerksamkeit hat. Nein zu einem unaufmerksamen und schnellen Hin- und Her!

Was bedeutet nun das Neinsagen zur beschleunigten Flatterhaftigkeit für einen Maler?
Soll er die mehrschichtige Sichtweise darstellen, die gleichzeitige Verbundenheit so vieler Eindrücke? In einem Grafikprogramm die Ebenen übereinanderlegen? Schnelles Actionpainting? Die Zerrissenheit des Künstlers in einer unsteten Welt darstellen?

Nein.

Für mich als Neinsager bedeutet es eher ein Reduzieren und Wertschätzen des Wenigen. Mir die Dinge wertvoll machen, mir die Formen mit Geduld zähmen. Ich abstrahiere das Komplexe, beruhige die Vielfalt der äußeren Welt durch eine vereinfachte Eindeutigkeit. Statt eines unsteten Flirrens suche ich die wenigtönige Konzentration, die ankerschaffende Komposition. Werthaftigkeit durch Verzögerung ist mein Ziel.

Was einmal die Quelle eines Flusses sein will, muss sich an einer Stelle sammeln.
Das nenne ich Konzentration.
(Thomas Brill)

Meine Werke werden die “an sie verlorene Zeit” aufnehmen, sie werden im Sinne des Kleinen Prinzen dadurch wichtig – zunächst nur für mich und dann im zweiten Schritt für Sie, denn sie werden – einmal durch die geduldige Arbeit geschaffen -  die Werthaftigkeit in sich tragen. Und in diesem Sinne werden sie in ihrer Werthaftigkeit nur Steigerung erfahren können – für alle, die sich einmal auf sie einlassen werden.

Und in einem zweiten Schritt werden Sie und viele andere dem Bild durch das eigene Beschäftigen (und sei es nur Betrachten und in Erinnerung bergen) Wichtigkeit verleihen – unweigerlich.

Auf! Das Eine wartet. Machen Sie mit und schenken Sie einem Bild Bedeutung (was nicht nur mit meinen, sondern auch mit allen anderen Bildern klappt.

Die Ziele Reduktion und Zeitaufnahme lassen sich mit zweilerlei Bildern umsetzen:  zum einen Bilder mit einer unglaublichen Zeitinvestition und zum anderen Bilder, in denen eine unglaubliche Einfachheit zu sehen ist….  genau das werde ich angehen!

Wie werden Sie es handhaben? Machen Sie mit beim Neinsagen zur Flatterhaftigkeit, und beim Ja zum Wenigen?

Eine gute (wertvoll aufgeladene) Zeit!

Thomas Brill

___

*
Hintergrund 1
: Dass Menschen in Wahrheit gar nicht multitaskingfähig sind, ist mehrfach belegt, Beispiel: “Schön der Reihe nach…” Spiegel 01.07.2007 …lesen
Hintergrund 2: Die Beharrlichkeit der Schnecke nach Michael Ende,
Hintergrund 3
: Kung Fu = das durch geduldige/harte Arbeit Erreichte)

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